Bergtour Piz Bernina

am 22.09.2008 - 17:43 Uhr
Mit Rupert und Urs unserem Bergführer nähern wir uns der Tschiervahütte. Nach einem Jahr ohne viel Sport war ich etwas mehr als warmgelaufen. Das Abendessen ist schon voll im Gange und wir haben Mühe, einen Platz an den Tischen zu bekommen. Uns bleibt nur noch der Rest in der Schüssel, egal was es auch war.

Guten Mutes gehe ich ins Bett und freue mich auf den großen Tag. Um 03:00 Tagwache und nach schnellem Frühstück bewegen wir uns Richtung Fuorcla Prievlusa (3430 m), wo wir noch im Dunkeln ankommen. Vor uns staut es sich durch solche, die noch langsamer gehen, als ich. Die Eisenstangen und –tritte im Fels, die heute Nacht nach einem Gewitter ziemlich vereist sind, machen mir wenig Probleme. Wir kommen nun gut voran und die Dämmerung holt uns ein.

In der Scharte erwartet uns schon die Sonne und wir machen eine kleine Pause. Der Granit mit den Steigeisen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Außerdem kühlen wir ständig aus, weil ein paar Italiener die Hosen voll haben. Es fällt immerhin auf jeder Seite ein paar hundert Meter ab. Aber ich bin ziemlich konzentriert und es macht mir nichts aus, auch mal Luft unterm Hintern zu haben, wenn ich mich den Fels hinaufhangle. Rupert sichert mich hinten immer ab, weil ich von uns dreien der Unerfahrenste bin.

Bei Firngrat angekommen genießen wir erst den tollen Ausblick. Aber der Gipfel ist noch weit und wir steigen zügig den Firngrat hinauf. Beim Piz Alv (Piz Bianco 3995 m) angekommen geht es dann ans Eingemachte. Über mehr als eine Stunde kämpfen wir uns die Felsspitzen und –abhänge rauf und runter. Urs seilt uns die Steilstufen ziemlich schnell ab und wir sind nach circa sechs Stunden auf dem Gipfel, der kaum Platz für drei Personen bietet.

Das Panorama ist umwerfend und erst jetzt stelle ich fest, dass ich mir die Fingerspitzen angefroren hatte. Was soll’s, Reinhold Messner hat ja auch keine Zehen mehr.

Wir steigen ab zur Rifugio Marco e Rosa, wo wir uns etwas besonderes einfallen lassen haben. Ein Helikopter holt uns von dort ab und fliegt uns runter. Die 300 Franken zahle ich gerne, um meinen Knien einen sechsstündigen Abstieg mit Steigeisen zu ersparen. Ein unglaublicher Tag, den wir sicherlich mit einem anderen Gipfel im Visier wiederholen werden.



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